Desinformation

„TikTok ist
fester Bestandteil
meines Alltags“

Mehr als 95 Minuten verbringt der durchschnittliche User täglich auf der Plattform TikTok – weitaus mehr als auf anderen Plattformen. In den vergangenen Jahren hat sich TikTok zum zentralen Forum für kulturelle Trends und digitales Entertainment – zumeist junger Menschen – entwickelt. Auch Maxima Trabert, jüngstes Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Liberalen, ist auf TikTok unterwegs.

Interview: Julius v. Freytag-Loringhoven


Desinformation

„TikTok ist
fester Bestandteil
meines Alltags“

Mehr als 95 Minuten verbringt der durchschnittliche User täglich auf der Plattform TikTok – weitaus mehr als auf anderen Plattformen. In den vergangenen Jahren hat sich TikTok zum zentralen Forum für kulturelle Trends und digitales Entertainment – zumeist junger Menschen – entwickelt. Auch Maxima Trabert, jüngstes Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Liberalen, ist auf TikTok unterwegs.

Interview: Julius v. Freytag-Loringhoven


Wie oft nutzen Sie TikTok?

Fast jeden Tag. Alle meine Freunde – die keine JuLis sind – sind dort unterwegs, ein großer Teil des Lebens spielt sich dort ab. Zwischenzeitlich hatte ich mich abgemeldet. Aber alle teilen dann TikTok-Links auch auf anderen sozialen Netzwerken. Grundsätzlich habe ich gemischte Gefühle. Der Algorithmus nutzt Konflikte und emotionale Inhalte auch für die Reichweite. Dann landet manchmal die Hetze der AfD auch unerwartet in meinem Feed. Ich hatte mich erst gefragt, ob das noch als ein ironischer Post kommt. Aber es war einfach ungefilterte Hetze.

Sie sagten, dass Ihre Freunde bei den Jungen Liberalen weniger bei TikTok sind. Liegt das an den politischen Hassposts?

Die JuLis haben sich sehr früh positioniert und schon im März 2021 beschlossen, TikTok nicht zu nutzen, weil die Plattform auf Servern im autoritären China betrieben wird. Allerdings sind einzelne JuLis wie Anja Widenmann schon seit Längerem erfolgreich auf TikTok aktiv. Sie nutzen die Plattform mittlerweile, um liberale Inhalte zu verbreiten. Seit einem Jahr hat sich die Diskussion deswegen gedreht, weil TikTok fester Bestandteil meiner Generation ist.

Nun gibt es ja in vielen Ländern Bestrebungen, die Plattform zu verbieten. Was halten Sie von solch einem Verbot?

Ich glaube, ein Verbot allein in Deutschland bringt nichts, denn die Nutzerinnen und Nutzer können trotzdem über verschlüsselte VPN-Verbindungen zu TikTok gelangen. Deswegen wäre es gefährlich, die User da mit den vielen politischen Inhalten allein zu lassen. Beispielsweise gibt es gerade ganz viele Posts, die Israel dämonisieren und in den Antisemitismus abdriften. Da mache ich mir Sorgen, dass die Leute so etwas ungefiltert aufnehmen, wenn man dem nichts entgegensetzt.

Ich bin überzeugt, dass es viel Potenzial gibt, Menschen auf TikTok mit liberalen Inhalten zu erreichen.
Maxima Trabert

Radikale und undemokratische Parteien wie die AfD sind auf TikTok viel erfolgreicher als andere Parteien. Macht Ihnen das Angst?

Das ist natürlich beunruhigend, aber tatsächlich nehme ich das nicht so wahr, weil deren Hetze eher selten und zufällig bei mir landet. Da ist der Algorithmus der Plattform im Allgemeinen nicht so durchlässig. Der Erfolg der AfD auf TikTok spiegelt für mich vor allem den Erfolg der AfD in der Gesellschaft wider. Auch bei den TikTok-Nutzern sind es vor allem Männer ab Mitte 40, die vorher in Telegram-Gruppen miteinander kommunizierten. Die Schwurbler von dort haben einfach zu TikTok gefunden, ihre Fans sind also nicht eine neue verlorene Generation. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass es viel Potenzial gibt, Menschen auf TikTok auch mit liberalen Inhalten zu erreichen.

Julius von Freytag-Loringhoven leitet seit Januar 2024 die Kommunikation der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und ist seit Juli 2023 ihr Pressesprecher.

Julius von Freytag-Loringhoven leitet seit Januar 2024 die Kommunikation der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und ist seit Juli 2023 ihr Pressesprecher.

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