Update
Über die Plattform X übt Elon Musk Einfluss auf die Stimmungslage und auf Wahlen in vielen Ländern aus. Damit bricht er sein Versprechen einer Kommunikation für die Freiheit.
Text: Michael Hirz
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Über die Plattform X übt Elon Musk Einfluss auf die Stimmungslage und auf Wahlen in vielen Ländern aus. Damit bricht er sein Versprechen einer Kommunikation für die Freiheit.
Text: Michael Hirz
Na klar, Technologien sind per se weder gut noch böse. Das werden sie erst durch ihre Nutzung. Diese Ambivalenz zeigt sich nicht zuletzt bei den sozialen Medien. Sie waren vor mehr als zehn Jahren zu einem epochalen Siegeszug um die Welt angetreten. Begleitet wurde der von dem hoffnungsfrohen Versprechen, der Menschheit mit Facebook, Twitter und Co. ein kommunikatives Band zu geben, barrierefrei und nicht hierarchisch den Austausch von Informationen und Gedanken zu fördern, kurz: das Tor zu einer neuen, weltweiten Freiheit aufzustoßen. Und tatsächlich schienen Ereignisse wie etwa der Arabische Frühling oder der Regimewechsel in der Ukraine die Prophezeiungen der Internet-Propagandisten aus dem Silicon Valley wahr werden zu lassen.
Elon Musk verbindet ökonomische, publizistische und politische Macht. Angesichts der Bedeutung von X wird er zu einem der einflussreichsten Menschen der Welt, der sich jeder Kontrolle entzieht.
Doch dieses quasi-religiöse Heilsversprechen erweist sich als blauäugig. Denn längst haben Autokraten und Diktatoren diese revolutionäre Erfindung für ihre Zwecke nutzbar gemacht. Das Gelobte Land von Demokratie und Freiheit rückte wieder in weite Ferne. Ob bei der Brexit-Abstimmung oder den US-Präsidentschaftswahlen – die hässliche Kehrseite dieses machtvollen Instruments rückte immer mehr in den Fokus. Längst fluten staatlich gelenkte Trollfabriken die großen Kommunikationsplattformen mit Fake News, schüren Misstrauen, säen Hass und versuchen, die Demokratien des Westens zu destabilisieren.
Das gelingt dank perfektionierter und KI-getriebener Technik immer besser. Das Rennen zwischen Donald Trump und Kamala Harris mit gefälschten Videos, vermutlich aus russischen Trollfabriken, zeigt die ganze abgründige Perfidie einer Entwicklung, die zur ernsten Gefahr für Freiheit und Demokratie geworden ist.
Damit fällt den Plattformbetreibern wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk eine noch größere Verantwortung zu. Doch vor allem Elon Musk, der vor Jahren Twitter kaufte und in X umbenannte, scheint das wenig zu scheren. Im Gegenteil. Unter dem Vorwand, weitestgehende Meinungsfreiheit fördern zu wollen, lässt er gezielte Desinformationen, Verschwörungstheorien, Gewaltaufrufe und Diskriminierung jeglicher Art zu. Dabei kommt ihm zugute, dass die Netzwerke – anders als traditionelle Medien – für Inhalte kaum haftbar gemacht werden können. Musk ist nicht Herausgeber und Verleger, er gilt juristisch mit seiner Plattform nur als Vermittler.
Inzwischen greift er selbst unmittelbar in die Politik ein, attackiert nach Belieben Politikerinnen wie Kamala Harris mit Deepfake-Videos oder ruft zur Wahl der AfD auf. Damit verbindet er ökonomische, publizistische und politische Macht. Angesichts der Bedeutung von X, vormals Twitter, wird er zu einem der einflussreichsten Menschen der Welt, der sich jeder Kontrolle entzieht – und zu einer Gefahr nicht nur für liberale Demokratien, sondern für Freiheitsbestrebungen weltweit.
Michael Hirz ist als Journalist und Moderator seit vielen Jahren intensiver Beobachter politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse
Michael Hirz ist als Journalist und Moderator seit vielen Jahren intensiver Beobachter politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse
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